Der Nutri-Score - Ist "gesundes" Essen wirklich gut für uns?
Ernährung

Der Nutri-Score - Ist "gesundes" Essen wirklich gut für uns?

11.09.19
Der Nutri-Score - Ist "gesundes" Essen wirklich gut für uns?

In einem früheren Artikel haben wir uns bereits mit Nährwertangaben auf Lebensmittel beschäftigt. Diese Nährwertangaben sind seit 1990 für Lebensmittel verbindlich.

Sie wurden auf der Grundlage der Diät-Referenzwerte erstellt. Sprich: wie viel eines Nährstoffes enthalten ist und wie viel wir von diesem pro Tag benötigen. Das Ziel: Der Öffentlichkeit mehr Klarheit verschaffen, damit Ernährung transparenter und planbarer werden konnte. 

Traditionell betrachten wir hier vor allem, wie viele Kalorien ein Nahrungsmittel liefert, woher diese Kalorien stammen und welche Mikronährstoffe enthalten sind.

Ob etwas "gut" oder "schlecht", "gesund" oder "ungesund" ist, ist nicht Teil dieser Betrachtung. Diese Begriffe werden typischerweise eher anekdotisch, basierend auf Erfahrung, dem Kaloriengehalt oder der Verarbeitungsweise getroffen. Auf dem Etikett sucht man sie bisher vergeblich.

Die US-Nährwertkennzeichnung erhielt erst kürzlich eine Menge Kritik. Denn die Öffentlichkeit werde durch deren Format nicht ausreichend über die Gesundheit des Lebensmittels informiert.

Das Argument war hier, sofern man nicht im Lesen der Informationen geschult ist, ist man nicht in der Lage fundierte Entscheidungen auf Basis dieser zu treffen.

Auf der anderen Seite entschied die französische Gesundheitsbehörde, dass eine einfachere und benutzerfreundlichere Art der Nährwertkennzeichnung erforderlich sei, um die Verbraucher über die Gesundheit ihrer Lebensmittelauswahl zu informieren. Dieses einfache Kennzeichnungssystem wird als Nutri-Score bezeichnet.

 

Was ist der Nutri-Score? 

Der Nutri-Score, wie der Name schon sagt, bewertet Lebensmittel von "A" bis "E" basierend auf der Nährstoffqualität.

Diese Art der Kennzeichnung ermöglicht eine schnelle Bewertung über gesunde Qualitäten des Lebensmittels sowie einen schnellen Vergleich zwischen zwei Produkten.

Es berücksichtigt verschiedene "positive" und "negative" Aspekte eines Lebensmittels. So kann jedem Produkt ein Punktewert gegeben werden.

Die kostenlose Datenbank Open Food Facts zielt darauf ab, Daten über Lebensmittel zugänglich zu machen, damit die Öffentlichkeit bessere Entscheidungen treffen kann. Das Ziel der Entwickler ist es, alle Lebensmittel der Welt auf der Grundlage von Nährstoffen, Allergenen, Zutaten und auch dem Nutri-Score zu kennzeichnen.

Auf Open Food Facts wurden auch einige Informationen über das Nutri-Score-System geteilt. Positive Punkte werden demnach gewonnen, wenn Obst, Gemüse, Nüsse, Ballaststoffe und Proteine im Produkt enthalten sind.

Negative Punkte werden bei überschüssiger Kalorienzahl, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Natrium vergeben. So werden positive Punkte von gesunden Zutaten und negative von ungesunden gesammelt. Letztere werden als Bestandteile definiert, die nachweislich bei übermäßigem Verzehr negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Basierend auf diesen Punkten kann dem Lebensmittel eine Bewertung von A bis E gegeben werden. Beispiele für Lebensmittel, die ein "A" verdienen, sind Obst, Gemüse oder natürlicher, fettarmer Joghurt. Beispiele für Lebensmittel, die mit einem "E" bewertet würden, sind Eiscreme oder ein Speck-Cheeseburger. 

 

Was sagen die Kritiker dazu?

Kritiker des Nutri-Score-Systems behaupten, dass es die Lebensmittel übermäßig vereinfacht, indem es sie auf der Grundlage dieser Normen als gesund oder nicht gesund kennzeichnet.

Das Deutsche Zuckerinstitut argumentierte, dass diese Art der Kennzeichnung nicht in der Lage sei, Übergewicht zu reduzieren. Um abzunehmen müsste der Verbraucher nur über die Kalorienzahl informiert werden.

Ein 250 ml Smoothie schneide beim Nutri-Score besser ab als die gleiche Menge Coca-Cola, obwohl der Smoothie mehr Kalorien hat. Diese Denkweise ignoriert jedoch alle anderen Komponenten des Smoothies, die uns gesund halten.

Viele Ernährungswissenschaftler würden argumentieren, dass es nicht nur Kalorien sind, sondern auch die Qualität der Kalorien, die für die Gesundheit und die Gewichtsabnahme wichtig sind. Während ein Smoothie mehr Kalorien und sogar eine ähnliche Menge an Zucker haben kann, enthält er ebenso natürliche Zutaten, essentielle Mikronähr- und Ballaststoffe.

Cola hingegen enthält eine lange Liste von Chemikalien und jede Menge zugesetzten Zuckers. Wir brauchen eine bestimmte Menge an Eiweiß, Kohlenhydraten, Fett sowie Vitaminen und Mineralien, um gesund zu bleiben. All dies auf den Kaloriengehalt allein zu reduzieren, ignoriert das Big Picture. Cola liefert keine dieser essentiellen Nährstoffe.

 

Was ist hier also das Hauptproblem?

Wenn wir uns nur die Kalorien ansehen, könnte dies zu schwerem Nährstoffmangel führen, der zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen und sogar zum Tod führen kann.

Überzeugender hier ist, dass einige gesunde Lebensmittel durchs Raster fallen könnten. Es läuft eine Debatte darüber, ob Vollfett im Vergleich zu fettarmen Milchprodukten besser für die Gesundheit ist. Die Forschung zu diesem Thema läuft weiterhin.

Der Nutri-Score nutzt jedoch den aktuellen Konsens, dass Vollfettmilchprodukte schädlich sind. Diese Forschungsfragen werden im Laufe der weiteren Verbreitung des Systems behandelt werden müssen.

Ein anderes Beispiel ist natürliche Erdnussbutter - ein sättigender, gesunder Snack aber mit dem gleichen Nutri-Score, wie ein Big Mac. Im Nährwert sind sie sicher nicht identisch. Erstere wird außerdem häufiger von Ernährungsberatern als Snack vorgeschlagen.  

Trotz der Kritik hat Nestle, das weltweit größte Lebensmittel- und Getränkeunternehmen, kürzlich angekündigt, dieses Label auf seinen Verpackungen in Kontinentaleuropa zu verwenden. Andere Großunternehmen wie Aldi, Danone und Bofrost haben den Nutriscore freiwillig in der Schweiz und in Deutschland eingeführt.

Der Tiefkühlkostproduzent Iglo erhielt jedoch vom Landesgericht Hamburg eine vorläufige Anweisung gegen den Druck des Nutri-Scores auf ihre Produkte. Sie befinden sich derzeit in der zweiten Berufungsrunde und behalten die Labels auf ihrer Website.

Die Befürworter der Bewertungssystems argumentieren, dass es nur sinnvoll ist, wenn alle Produkte es verwenden. Wenn ihn ablehnt, wird dies diese Entwicklung erheblich und negativ beeinflussen.

 

Der Verbraucher sollte sich jedoch über eins im Klaren sein?

Was passiert mit Menschen, die ein "A" sehen und viel zu viel davon essen? Denn zu viel von allem (auch gesunden Lebensmitteln) kann ungesund sein.

Was ist, wenn Menschen anfangen, sich zu weigern, etwas zu essen, einen niedrigeren Score als C bekommen hat? Oder was passiert mit denjenigen, die kein "E" essen können, ohne sich schuldig zu fühlen?

Mäßigung ist ein Teil jeder gesunden Ernährung. Menschen sollten sich nicht schämen, einen Milchshake zu trinken, und nicht dafür belohnt werden, dass sie nur Produkte mit A-Rating essen.

Damit dies funktioniert, muss eine ausgewogene Ernährung deutlich gefördert werden. Menschen mit Essstörungen hier besonders beachtet werden, da das System ihnen auf dem Weg zur Genesung Steine in den Weg legen könnte.

Aber trotz dieser Bedenken könnten viele Menschen von einer klareren Kennzeichnung von Lebensmitteln profitieren, während sie an ihren eigenen Gesundheitszielen arbeiten.

Ob der Nutri-Score die beste Option ist oder nicht, er ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung für die Gesundheit der Verbraucher und die Entscheidungsfindung was Ernährung angeht.

 

 

- Allison Labyk, MSc in Human Nutrition, RDN

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