Personalisierte Ernährung - Die Wellness-Zukunft?
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Personalisierte Ernährung - Die Wellness-Zukunft?

02.09.19
Personalisierte Ernährung - Die Wellness-Zukunft?

Die Chancen stehen gut, dass du zu irgendeinem Zeitpunkt die Nährwertangaben auf einem Lebensmitteletikett bemerkt hast. Wenn nicht, schnapp dir irgendein verpacktes Lebensmittel und dir wird einiges klarwerden.

Du wirst die Kalorien, die Kohlenhydrate, die Fette und die Mikronährstoffe wie Eisen, Natrium, Kalium oder Kalzium bemerken. Du wirst auch feststellen, dass jede dieser Zahlen einen Prozentsatz neben sich hat.

Was bedeutet das?

Nun, diese Zahl bezieht sich auf den Prozentsatz Deines täglichen Bedarfs, der durch das Produkt gedeckt wird.

Wir alle brauchen eine bestimmte Menge an Kalorien, Vitaminen und Mineralien, damit unser Körper richtig funktioniert. Tatsächlich sind viele Vitamine und Mineralien "essentiell", was bedeutet, dass unser Körper sie nicht selbst herstellen kann. Wir müssen sie daher konsumieren, um zu überleben.

Diese essentiellen Nährstoffe sind so wichtig, dass Regierungsbehörden ganze Abteilungen haben, die sich der Ernährungsgesundheit und dem Wohlbefinden der Bevölkerung widmen. Sie liefern große, bevölkerungsweite Empfehlungen, die darauf abzielen, das Land gesund und frei von Mangelerscheinungen zu halten.

Die International Society of Nutrigenetics and Nutrigenomics bezeichnet diese Art von bevölkerungsweiter Gesundheitsempfehlung als den äußeren Ring der Ernährung1. Sie schafft Empfehlungen, die für die breite Öffentlichkeit geeignet sind und eine möglichst große Anzahl von Menschen betrifft.

Was jedoch jeder Einzelne braucht, damit es ihm gut geht und er gesund bleibt, hängt stark von einer Reihe individueller Faktoren ab.

Die Empfehlungen des äußeren Rings der Ernährung zielen darauf ab, die Öffentlichkeit gesund zu halten. Von dort kann man aber ebenso den Fokus nach innen richten. Zu dem, was wir tun müssen, um den Einzelnen gesund und glücklich zu halten.

 

Der Zentrale Ring der Ernährung

Der nächste Ring der Ernährung ist abhängig von dem Phänotyp einer Person.  

Unser Phänotyp ist das Set von Eigenschaften, das mit dem Aufbau unseres Körpers zu tun hat. Dazu gehören Merkmale wie:

  • Geschlecht
  • Alter
  • Größe
  • Gewicht
  • Aktivitätsniveau
  • und biochemische Marker wie der Blutspiegel bestimmter Nährstoffe.

Alle diese Faktoren beeinflussen, wie viele Kalorien wir benötigen, um ein gesundes Gewicht zu halten und welche Art von Lebensmitteln uns die richtige Menge an Nährstoffen liefern, um unseren Körper zu unterstützen. 

Dieser Ring ist wichtig, weil große, bevölkerungsweite Empfehlungen nicht vorhersagen können, ob du vielleicht einen Vitamin B-Mangel hast oder ob Du aufgrund Deiner erhöhten körperlichen Aktivität mehr Kalorien benötigst als eine durchschnittliche 25-jährige Frau.

Um dies herauszufinden, müssen Deine Lebensgewohnheiten untersucht werden und es benötigt auch einige biochemische Tests. Um Ernährung persönlicher einschätzen zu können, gibt es Ressourcen und Fachleute, die letztendlich unsere Gesundheit richtig einschätzen und verbessern können.

Ein registrierter Ernährungsberater ist eine zugelassene medizinische Fachkraft, die sich auf genau dies spezialisiert. Ernährungsberater arbeiten in privaten Gesprächen mit Dir daran, Deinen Lebensstil zu analysieren und Deine Bedürfnisse zu berechnen.

Dein Kalorienbedarf wird genau bestimmt, um dich an Deine Ziele zu bringen, Deine Blutwerte analysiert, um zu sehen, ob die Nährstoffzusammensetzung ideal ist. Mängel werden so aufgedeckt und die Berater berücksichtigen dabei Essgewohnheiten, Präferenzen, Einschränkungen und kulturellen Einflüsse rund ums Essen.

Sie sind die Wegbereiter der personalisierten Ernährung. Sie sind geschult und erfahren darin, Ernährung für den Einzelnen zu optimieren.

Aber in dieser Ära einer 4.2 Billionen Dollar-Wellnessindustrie, ist es keine Überraschung, dass wöchentliche, persönliche Treffen mit Deinem Ernährungsberater zu kurzkommen2.

Anstatt in ein Büro zu gehen, eine Stunde zu reden und dann in ein Labor einen Bluttest durchführen zu lassen, kannst Du Dein eigenes Blut zu Hause sammeln und es zur Analyse einsenden. Auf der Grundlage Deiner Ergebnisse bieten Unternehmen genau die Nahrungsergänzungsmittel an, die du augenscheinlich benötigst, die sie Dir direkt nach Hause liefern. In exakt der Zusammenstellung und Menge, die sie dir aus der Ferne berechnet haben.

Während dieser Bereich der personalisierten Ernährung weiter wächst, war dies über lange Zeit das Maximum der Personalisierung: herauszufinden, wie viel von welchem Nährstoff das Individuum benötigt.

Während dies weiterhin ein wichtiger Aspekt personalisierter Ernährung ist, erlauben uns Fortschritte in der Wissenschaft, sogar noch persönlicher zu werden.

 

Der innere Ring der Ernährung

Wir wissen nun also bereits, wie viele Kalorien und die genauen Nährstoffe, die wir benötigen. Aber spielt es eine Rolle, aus welcher Art von Nahrung wir sie beziehen?

Wahrscheinlich, ja.

Dieser innere Ring der personalisierten Ernährung bezieht sich darauf, wie unsere Gene und unser Mikrobiom zu unserem Nährstoffbedarf beitragen.

Wenn wir über den Zusammenhang zwischen unseren Genen und unserer Ernährung sprechen, nennen wir diesen Bereich Nutrigenetik. Dieser Begriff bezieht sich auf die Idee, dass wir auf der Grundlage unserer Gene unsere Ernährung ändern können, um das Krankheitsrisiko zu verringern. Das Humangenomprojekt ermöglichte es uns, unser gesamtes Erbgut zu entschlüsseln und diese Informationen zu unserem Vorteil zu nutzen.

Dabei können wir auch sehen, welche genetischen Variationen manche Menschen eher fettleibig oder anfälliger für chronische Krankheiten machen. Mit diesen Informationen können wir personalisierte Ernährungspläne erstellen, um Risiken zu erkennen und zu verringern.

So kann beispielsweise eine genetische Variation jemanden im Laufe seines Lebens anfälliger für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) machen. Wir wissen, dass das CVD-Risiko stark mit der Ernährung verbunden ist. Für eine solche Person können wir raten, einer Ernährung mit wenig gesättigten Fettsäuren und Salz zu folgen und einen aktiven Lebensstil zu schaffen, der ihr Risiko für die Entwicklung der Krankheit verringert.

Das Mikrobiom ist ein weiterer Aspekt dieses inneren Rings der personalisierten Ernährung. Das sind die Billionen gesunder Bakterien, die in unserem Darm leben. Studien beginnen zu zeigen, dass das Mikrobiom eine enorme Rolle in vielen Aspekten unserer Gesundheit spielt, die weit über die reine Verdauung und unser Immunsystem hinausgehen.

Gegenwärtig laufen Studien darüber, wie unser Mikrobiom unsere glykämische Reaktion vorhersagen kann – einfacher: wie unser Körper auf Kohlenhydrate in Lebensmitteln reagiert.

Eine Studie folgte 800 Personen, die die gleiche Diät einnahmen und sahen drastische Unterschiede in ihrer glykämischen Reaktion. Daraus konnten sie einen Algorithmus erstellen, der den Phänotyp und das Mikrobiom einer Person berücksichtigt, um die glykämische Reaktion auf Mahlzeiten besser vorherzusagen.

Die Forscher fanden so heraus, dass diejenigen, die sich an die für ihr Mikrobiom angepasste und auf ihre glykämische Reaktion in Lebensmitteln zugeschnittene Ernährung hielten, während der gesamten Dauer der Studie einen niedrigeren und gleichmäßigeren Blutzuckerspiegel aufwiesen3.

 

 

Was bedeutet das alles?

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass weder Gene noch das Mikrobiom die ganze Geschichte unseres Nährstoffbedarfs erzählen.

Während diese Bereiche wichtig sind, immer wichtiger werden und unsere Essgewohnheiten beeinflussen sollten, können wir die anderen Ernährungsringe nicht ignorieren.

Der Phänotyp ist nach wie vor ein sehr relevanter Faktor, der bei Ernährungsempfehlungen zu berücksichtigen ist. Darüber hinaus ist das Stoffwechsel- und Krankheitsrisiko nicht nur mit der Ernährung verbunden. Wir sollten auch andere Aspekte der Gesundheit wie körperliche Aktivität, Schlafgewohnheiten, Stress und allgemeine psychische Gesundheit berücksichtigen.

Ein weiterer wichtiger Bereich, der berücksichtigt werden muss, sind die Ernährungspräferenzen und die Kultur. Können wir Empfehlungen personalisieren, um den Bedürfnissen von Menschen mit Ernährungseinschränkungen aus religiösen oder traditionellen Gründen gerecht zu werden?

Wie können wir sie auch auf die persönlichen Vorlieben einer Person abstimmen? Werden wir eine Schüssel Eis genauso genießen, wenn wir wissen, dass "meine glykämische Reaktion auf diese Schüssel Eis viel schlechter ist als die eines Durchschnittsmenschen"?

Das sind die Arten von Fragen, mit denen wir uns befassen sollten, wenn diese Entwicklung hin zu einer personalisierten Ernährung voranschreitet.

Es ist auch wichtig, sich daran zu erinnern, dass die meisten dieser personalisierten Ernährungsvorschriften nur individualisierte Diäten sind. Wenn wir eine Sache über Diäten wissen, dann ist es, dass viele Menschen Probleme mit der Compliance haben. Das heißt, es fällt ihnen schwer, sich an diese Vorschriften im Alltag zu halten.

Erhöht eine Ernährung, die spezifisch für eine Person ist, die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person sie auch einhält?

Und wo steht die personalisierte Ernährung letztendlich aus wirtschaftlicher und ethischer Sicht?

Momentan kostet es Geld, Gene und Mikrobiom testen zu lassen und viele neue Unternehmen nutzen diese Gelegenheit für einen neuen Geschäftszweig. Wie wird es sich auf das Gesundheitssystem auswirken, dass für diese hoch spezifischen Informationen ein Aufpreis verlangt wird? Könnte sich ein Health Care-Ungleichgewicht entwickeln, in dem nur reichere Menschen Krankheiten effektiv vorbeugen können?

Wie werden diese hoch individuellen Daten verwaltet? Und wie gehen wir am besten mit der Anfälligkeit für Krankheiten und Ernährungsumstellungen bei Menschen mit unterschiedlichem wirtschaftlichen und kulturellen Hintergrund um?

Während wir vielleicht nicht die Antworten auf all diese Fragen kennen oder genau sagen können, was ein Mensch zu jedem Zeitpunkt des Tages essen sollte, hat die Wissenschaft auf diesem Gebiet bereits enorme Fortschritte gemacht, die wir nutzen können:

Unsere Gene und unser Mikrobiom scheinen eine viel größere Rolle zu spielen als je angenommen. Beides könnte uns drastisch bei der Prävention und dem Management von Krankheiten helfen.

Obwohl die Zukunft der personalisierten Ernährung vielversprechend ist, hat sie noch viele Hindernisse zu überwinden.   

 

 

  1.         Ferguson LR, De Caterina R, Görman U, et al. Guide and Position of the International Society of Nutrigenetics/Nutrigenomics on Personalised Nutrition: Part 1 - Fields of Precision Nutrition. In:Journal of Nutrigenetics and Nutrigenomics. Vol 9. S. Karger AG; 2016:12-27. doi:10.1159/000445350
  2.           Beth McGroarty. Wellness Industry Statistics and Facts. https://globalwellnessinstitute.org/press-room/statistics-and-facts/. Accessed August 21, 2019.
  3.  Zeevi D, Korem T, Zmora N, et al. Personalized Nutrition by Prediction of Glycemic Responses Article Personalized Nutrition by Prediction of Glycemic Responses. Cell. 2015;163:1079-1094. doi:10.1016/j.cell.2015.11.001

 

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