Traditionelle Medizin = die Zukunft?
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Traditionelle Medizin = die Zukunft?

21.06.19
Traditionelle Medizin = die Zukunft?

Das Fach der Ethnobotanik gewinnt immer mehr Aufmerksamkeit. Du fragst dich vielleicht: Warum sollte mir diese Information helfen?

Ganz einfach: Ethnobotanik untersucht den traditionellen Gebrauch von Pflanzen durch den Menschen. Auf wissenschaftlicher Basis!

Und in einer Welt, in der ein wachsender Anteil der Menschen Angst vor klassischen Pharmazeutika entwickelt, wächst der globale Markt für Traditionelle Medizin bis 2024 voraussichtlich auf 117 Milliarden US-Dollaran.

Aller Vermutung zum Trotz, wird dieses Wachstum nicht durch den Ausbau der traditionellen Medizin in Schwellenländern. Nicht mal ansatzweise! Denn vor allem europäische Länder, verursachen dieses Phänomen. Bereits 2016 stellten sie den größten Markt2 für Traditionelle Medizinkräuter dar.

Was aber macht traditionelle Medizin so begehrt? Wie viel davon ist tatsächlich Aberglaube und wie viel können wir nutzen, um gesünder zu sein?

*Dieser Artikel verwendet Traditionelle Medizin synonym mit pflanzlicher Medizin, da traditionelle Arzneien aus tierischer Quelle unserer Ansicht nach ein Risiko für die Artenvielfalt darstellen.

 

Fakten: Die meisten haben ein falsches Bild im Kopf

Traditionelle Medizin ist alles andere als eine Nische der Heilkunde. Nach Daten der WHO verwenden mehr als 80% der Menschen in Afrika und Asien Traditionelle Medizin als primäre Gesundheitsmaßnahme3.

Definiert ist Traditionelle Medizin als Wissen und Praktiken, welche auf Glauben und Erfahrungen unterschiedlicher Kulturen basieren. Sie befasst sich mit dem Bewahren und Wiederherstellen der Gesundheit4. Obwohl die oft als „westliche Medizin“ bezeichnete naturwissenschaftliche Heilkunde durch den weltweiten Einsatz der Ärzte Leben rettet, vertrauen viele im Alltag auf Althergebrachtes.

Du denkst dir wahrscheinlich: In Europa ist dem sicher nicht so! Doch auch hier liegst du falsch.

Was wir hier als „Hausmittel“ bezeichnen, als Kräutermedizin oder einfaches Erkältungsmittel von Oma, ist ebenso traditionelle Medizin, wie Kräuter oder Wurzelpuder aus den Apotheken Shanghais oder Singapurs.

Die folgenden Vertreter sind besonders in Europa beliebt. Die Chancen stehen gut, dass du sie kennst. Hast du sie selbst schon angewendet?

 

Alte Weisheiten aus China 

TCM - oder Traditionelle Chinesische Medizin. Wir denken an Akupunktur, Qi Gong, Kräuter, Tees und zerstoßenes Elfenbein, die dem Ausgleich des Chis dienen. Seit dem 1. Jahrtausend vor Christus in China entstanden, zieht sich diese Form der Medizin über den gesamten Asiatischen Kontinent. Abwandlungen wie die Traditionelle Koreanische Medizin basieren auf ihren Praktiken, werden aber jeweils auf die eigene Geografie und dort vorkommende Pflanzen angepasst.

In China fällt das Wort „traditionell“ aus der Bezeichnung weg. Man unterscheidet hier Chinesische und Westliche Medizin.

Die Lehre basiert auf der Wahrnehmung des Menschen als Wesen zwischen den natürlichen Elementen Feuer, Wasser, Erde, Metall und Holz. 

Die Lebenskraft „Qi“ (Chi) fließt durch alles Lebende und kann, den beiden Kräften Yin und Yang unterworfen, beeinflusst werden. Man erstrebt ein ausgeglichenes Qi durch Kräuterzubereitungen, Akupunktur oder meditativ-körperliche Aktivitäten wie Taichi.

Die Akupunktur ist durch die WHO als wirksames Mittel in der Schmerzbehandlung anerkannt.

 

Yogis brachten neue Heilmittel aus Indien

Das aus Indien stammende Heilsystem Ayurveda (sanskrit, Wissen vom Leben) sieht, genau wie sein Verwandter aus China, den Menschen als auszugleichende Einheit.

Auch hier wird das Universum als Zusammenspiel der fünf Elemente Äther, Luft, Wasser, Feuer und Erde wahrgenommen.

In Lebewesen wiederum werden drei Kräfte, die Doshas, definiert, die sich jeweils aus mehreren dieser Elemente zusammensetzen. Kapha (Erde und Wasser), Pitta (Feuer) und Vata (Luft und Äther) regulieren demnach alle physiologischen Prozesse im Menschen.

Sind alle Doshas ausgeglichen, folgt daraus Balance und Gesundheit. Unausgeglichenheit führt zu krankhaften Symptomen. Zu den Methoden des Ayurveda gehören z.B. eine spezielle Ernährung basierend auf dem Dosha der Person, Ölziehen und Meditation.

Meditation wird als wirksames Mittel gegen Stress anerkannt. 

 

Was haben beide gemeinsam?

Da es das Ziel ist, die Balance wiederherzustellen, wird immer über eine systemische Lösung nachgedacht. Dies sucht man in westlicher Medizin oft vergeblich.

Hier sind bereits die Abteilungen eines Krankenhauses den einzelnen Organsystemen zugeordnet. Behandlungen sind daher sehr spezifisch bei akuten Problemen, das Erkennen einer gesamt-körperlichen oder chronischen Erkrankung ist jedoch schwer.

 

Ist traditionelle Medizin wirksam?

Obwohl die Theorien hinter den antiken Heilsystemen dem modernen Menschen fremd und teilweise schlicht wahnsinnig vorkommen, basieren ihre Methoden trotz allem auf Erfahrungswerten.

Die Erklärungen mögen im damaligen Weltbild begründet sein. Jedoch können die pflanzlichen Arzneien, auch im Licht moderner, pharmazeutischer Forschung betrachtet werden.

Das beste und meistzitierte Beispiel hierfür bleibt der Stoff Artemisininaus einjährigem Beifuß. Seit Jahrtausenden gegen Malaria eingesetzt, wurde er im 20. Jhd isoliert und untersucht. Um gegen Malariawellen vorzugehen, gab die chinesische Regierung intensive Forschung nach „neuen“ Malariamitteln in Auftrag und die Pharmakologen wälzten Geschichtsbücher.

Die so gefundene Substanz Artemisinin ist von der WHO heute als Malaria-Heilmittel anerkannt5, da ihre Unbedenklichkeit und Wirksamkeit bewiesen werden konnte. Auf dieser Liste steht außerdem Akupunktur als wirksames Mittel gegen Schmerzen, hohen Blutdruck oder Depressionen6.

 

Wie gefährlich ist eine Behandlung wirklich?

Eine gefahrlose, wirksame Einnahme kann oft nicht garantiert werden. Ebenso wenig Qualität und Herkunft der „Heilmittel“. 

Basiert die Sicherheit einer Arznei wirklich auf Empirik? Oder liegt ihr Ursprung in Religion und Mythen? Sobald alle wissenschaftlichen Eckdaten geklärt und die Wirksamkeit der pflanzlichen Medizin bestätigt werden kann, ist sie, ebenso wie herkömmliche Medikamente, eine behandelnde Maßnahme.

Denn auch hier handelt es sich bloß um organische Moleküle, die unsere Biochemie beeinflussen können. Manchmal kann die Traditionelle Medizin so aus dem Griff des Voodoo befreit werden und ihre Wirkung entfalten. Wie bereits seit langer Zeit. 

Am wichtigsten ist: So gefundene Medikamente helfen der modernen Medizin, welche gegenwärtig verzweifelt nach neuen Wirkstoffen sucht.

 

Aus der Tradition in die Zukunft?

Immer mehr Menschen der Industrieländer wünschen sich einen Weg, ihre Gesundheit unabhängig von reiner Krankheitsbehandlung zu fördern. Traditionelle Medizin verspricht einen Weg zu mehr Ausgeglichenheit in anstrengenden Zeiten.

Anders als allgemein gedacht, sieht die moderne Forschung die Traditionen keinesfalls als schwachsinnige Überlieferung7. Sie versucht nur, die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der Mittel zu testen, um effektive Kräutermedizin aus dem Mantel des Voodoo zu befreien. Gefährliche Behandlungen, Quacksalberei und Wilderei können so langsam ausgemerzt werden.

Eine Rückkehr zu Heiltraditionen ist also auch aus wissenschaftlicher Sicht positiv, da hier viele Möglichkeiten für neue und gleichzeitig uralte Medikamente zu finden sind.

  

 

 

 

[1] https://www.prnewswire.com/news-releases/the-global-herbal-medicine-market-is-expected-to-reach-usd-117-02-billion-by-2024--300726926.html.

[2] Siehe oben.

[3] Bodeker C., Bodeker G., Ong C. K., Grundy C. K., Burford G., Shein K. (2005). WHO Global Atlas of Traditional, Complementary and Alternative Medicine. Geneva, Switzerland: World Health Organization.

[4] https://www.afro.who.int/health-topics/traditional-medicine.

[5] Liao, F. Discovery of Artemisinin (Qinghaosu). Molecules 200914, 5362-5366

[6] https://www.afro.who.int/health-topics/traditional-medicine.

[7] Ekor, Martins. “The growing use of herbal medicines: issues relating to adverse reactions and challenges in monitoring safety.” Frontiers in pharmacology vol. 4 177. 10 Jan. 2014, doi:10.3389/fphar.2013.00177.

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